Das Leben als Nomade

Warum in die Heimat schweifen, wenn das Gute liegt so fern?
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Horni Weiblich
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Das Leben als Nomade

Beitrag von Horni »

Dieser Thread geht eigentlich nicht ums Reisen selbst, sondern um das Leben an verschiedenen Orten. Damit meine ich keine ein- oder zweijährige Weltreise mit Untervermietung der Wohnung hier, sondern tatsächlich ein echtes Alltagsleben und Arbeiten auf dem ständigen Unterwegs.

Könnt ihr euch vorstellen, als Nomade zu leben, also ohnen festen Wohnsitz? Für mehrere Jahre oder auch für immer? Träumt ihr vielleicht sogar davon?
Könntet ihr euch vorstellen alle paar Wochen oder Monate an einen anderen Ort zu ziehen, vielleicht in ein anderes Land? Was fändet ihr faszinierend daran und was schreckt euch ab? Würde die Vorstellung euch Angst machen?
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Libby Weiblich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Libby »

Reizt mich sehr & ich denke viel drueber nach. Abschrecken tut mich die Ungewissheit & Unsicherheit (Rente? Versicherungen?) und die Schwierigkeiten mit Familie, Freunden & (nicht vorhandener) Beziehung! Man kann natuerlich Glueck haben und Partner/Freunde haben, die dieses Leben auch leben.
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Horni Weiblich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Horni »

Ich denke auch immer wieder darüber nach.
Ich glaube ich bräuchte zumindest eine feste Homebase hier oder bei den Eltern oder irgendwo anders auf der Welt, wo ich hinkommen kann wenn alles scheiße ist und nicht läuft und ich mich furchtbar fühle. Ohne sowas wäre ich in größeren Krisensituationen wohl arg am emotionalen Straucheln.

Außerdem will ich wohl Kinder haben (und biologisch müsste das spätestens in fünf-sieben Jahren losgehen) und ich glaube bisher nicht, dass man das mit einem Leben ohne festen Wohnsitz vereinbaren kann. Habe schon rausgefunden, wie man Schulpflicht umgeht, aber feste Freundschaften etc halte ich für essentiell für jedes Kind.

Abgesehen davon wäre es wohl mein Traum. Probleme mit Rente und Versicherungen etc hätte ich dann nicht mehr als jetzt als Selbstständige, außerdem müsste ich mein Unternehmen nicht in Dtl anmelden und würde einen Haufen Steuern und Gebühren sparen. Jederzeit überall auf der Welt leben und arbeiten zu können, hat auf mich einen sehr hohen Reiz. Die Freundschaften, die ich seit meinem Umzug noch habe, pflege ich sowieso über hunderte Kilometer ebenso wie die Beziehung zu meiner Familie und von Bali oder Reykjavik könnte/würde ich genau so 2x im Jahr hinfahren/fliegen wie von FFM. Da bin ich also generell schon losgelöster. Ich habe außerdem bisher die Erfahrung gemacht, dass ich beim längeren Unterwegs sein viel mehr Leute kennenlerne, die mehr so sind und empfinden wie ich, die inspirierend sind und mit denen ich gut klarkomme während mir das "zu Hause" extrem schwer fällt.
Ich habe nicht so ein starkes Verlangen nach "zu Hause". Wenn es für mich sowas gibt, dann ist es FFM sowieso nicht, und auch hier lebe ich ja problemlos. Wenn ich jedoch auf Reisen bin, auch auf monatelangen, hat es mich noch nie auch nur einen Tag "nach Hause" gezogen.
Mein riesiger Vorteil ist aber auch, dass meine Beziehung "mitkäme". Alleine würde ich mir sowas emotional nicht zutrauen.

Natürlich muss man was finden, was man berufsmäßig völig ortsunabhängig machen kann. Schade, dass ich nicht besser schreibe. Oder fotografiere.
Es wäre wahrscheinlich weniger meins, mit Rucksack von Hostel zu Hostel zu ziehen und von der Hand in den Mund zu leben. Besser vorstellen könnte ich mir zB zeitweise Wohnungen über AirBnB etc zu mieten.
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Libby Weiblich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Libby »

Mh... naja, wenn man zwei Kinder hat, sind sie nicht alleine und sie lernen ja unterwegs auch Kinder kennen. Ich kann mir vorstellen, dass es schon schwierig ist, langfristige Freundschaften zu erhalten für die Kinder. Dafür sind die, die halten, dann vermutlich viel intensiver als normale Kindergartenfreundschaften. Hat sicher Nachteile, aber ich kann mir auch vorstellen, dass es Vorteile hat. Kürzlich las ich, dass es ein Buch geben soll über die "Weltreise" von einem Paar, die auch ein Geschwisterpaar hatten. Vielleicht sollte ich das mal herausfinden und lesen...
(in 5-7 Jahren... man Horni, jetzt hab ich gerade auch das Ticken meiner biologischen Uhr gehört... du bist ja bloß ein bisschen älter als ich :shit: )

Das mit den Gleichgesinnten auf Reisen kann ich gut nachvollziehen. Geht mir auch oft so, allerdings verliert man die eben auch so schnell wieder aus den Augen, weil alle mit ihren Rucksäcken in alle Himmelsrichtungen strömen :/ (also ist halt meine Erfahrung)
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Horni Weiblich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Horni »

Einige meiner besten und engsten Freunde habe ich auf Reisen kennengelernt. Sie sind zwar tatsächlich ständig in aller Welt, aber die wichtigen treffe ich doch 1-2x im Jahr und dann können wir uns zwei Wochen gegenübersitzen und nur reden und es ist so interessant. Aber ja, viele verliert man aus den Augen. Zum Glück nicht alle. (Ich bisher zumindest.)

Ich stelle es mir halt sehr mies vor, das Kind alle paar Monate aus seiner Umgebung zu reißen und ihm mein Leben aufzudrücken. Die Kinder die ich so kannte und kenne hassen umziehen und wollen gerne an einem Ort bleiben. Und neee, gleich zwei Kinder will ich auch nicht :(
Wenn du den Titel des Buches rausfindest, sag gerne mal Bescheid. Ich weiß, dass es da ein paar Werke drüber gibt, wollte auch nochmal nach Blogs suchen. Hoffe halt, dass ich öfter sowas lese, was mich dann doch davon überzeugt dass das mit Kindern geht.
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TheRheinRuhrBäcker Männlich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von TheRheinRuhrBäcker »

Ich halte ganz und gar nichts von einer nomadisierenden Existenz und wollte mich nie zum fahrenden Volk gesellen, nichtsdestoweniger möchte ich euch nicht meine kräzi libertären Bekannten vorenthalten:

[bbvideo=560,315]https://www.youtube.com/watch?v=iZywHa_rSDU[/bbvideo]
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heartie Keine Angabe
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von heartie »

Was reizt euch so an dieser Art zu leben?

Ich bin gerne auf reisen, aber ich liebe es, dann wieder nach Hause zu kommen. Ich bin sehr fixiert auf meinen “Wohlfühlort“ und den brauche ich gewissermaßen für meine psychische Stabilität. Zu jedem Umzug bin ich in alle Richtungen verängstigt und labil, bis ich mir wiedet ein Nest im neuen Heim gefunden habe. Also nein, das Nomadentum wäre absolut nichts für mich!
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Remus Keine Angabe
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Remus »

ich hab mir immer eingeredet, dass es voll mein ding wäre, aber ich glaube, in wahrheit geht es mir damit so wie heartie :D ich brauche eine gewisse stabilität im leben und zu wissen, dass ich abgesichert bin, meine wohnung habe, und nicht plötzlich ohne alles dastehe. ich kenne das gefühl von heimweh zwar auch gar nicht, aber ich finde es schon schön, mir einen raum zu schaffen, der wirklich nur meiner ist, und der nicht in x wochen von jemand anderem bezogen wird.
Zuletzt geändert von Remus am So 16. Jul 2017, 12:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Horni Weiblich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Horni »

Ich empfinde das persönlich einfach anders. Das Heimkommen ist für mich das Schlimmste am Urlaub/Reisen. Schon die letzten Tage unterwegs nerven mich, weil ich daran denke, und ich habe jedes Mal die riesige Sehnsucht, noch weiter zu reisen. Das habe ich bei zweiwöchigen Urlauben genauso wie bei meinen bisherigen monatelangen Reisen.
Wenn ich auf der Autobahn fahre, habe ich extrem oft das krasse Bedürfnis jetzt einfach weiterzufahren statt nach Hause - nach Italien, Frankreich, Schweden... 2x haben wir das dann auch schon einfach gemacht.
Ich habe dieses Bedürfnis nach einem festen Zuhause und der dazugehörigen Sicherheit nicht, bzw ich verbinde das nicht mit Sicherheit.
Ich identifiziere mich überhaupt nicht mit meinem Wohnort, kenne die Orte, in denen ich lebe kaum, ich weiß nicht warum das so ist. Das von Remus beschriebene Gefühl des eigenen Raumes empfinde ich so auch nicht.

Hingegen reizt mich die Welt, mich reizen die Möglichkeiten, die verschiedenen Arten zu leben, die Orte, Kulturen, Menschen. Am glücklichsten war ich bisher auf meinen längeren Reisen, die so lang waren, dass ich am Anfang noch keinen Gedanken ans Heimkommen verschwendet habe.
Wenn ich das so in mein Leben integrieren könnte, dass ich von unterwegs arbeiten kann, bräuchte ich den Wohnsitz hier wohl nicht. Ich verbinde ihn mit nichts außer mit "ist halt nötig".
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Heizpilz Keine Angabe
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Heizpilz »

Horni hat geschrieben:kenne die Orte, in denen ich lebe kaum, ich weiß nicht warum das so ist.
Das klingt in meinen Ohren voll traurig, ich tick da anscheinend sehr anders. Der Wohnort, woauchimmer er ist, ist doch auch ein Ort, den man entdecken und wertschätzen kann, und dann sogar über einen längeren Zeitraum bis in die letzten Winkel.
Ich fühl mich an jedem Ort nach einer Woche zuhause, auch im Urlaub, ich erschließe mir gerne neue Orte, und finds dann immer traurig und hab sehr oft etwas Heimweh, wenn ich dann gehe/wegziehe. Meine Intention für ein "Nomadenleben" (was bei mir halt eher häufiger Wohnsitzwechsel wäre und nicht Wohnsitzaufgabe), war/ist daher immer ein "an vielen neuen Orten mal zuhause sein"-wollen

Ich hab ab September drei-vier Monate, in denen ich etwas hier und dort leben muss/kann. Ich weiß noch nicht, wo ich die Zeit verbringe. Bali sei günstig, meintest du mal :> ?
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Horni Weiblich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Horni »

Ich empfinde das für mich überhaupt nicht als traurig (könnte es ja auch ändern wenn ich wollte), das ist wohl tatsächlich ein ganz anderes Empfinden von Heimat bei mir. Das heißt nicht dass ich mich nicht an Orten voll wohlfühlen kann und immer weg will, aber diese Verbundenheit habe ich so nicht.

Auf Bali kriegst du aus Deutschland buchbare gute Privatzimmer in guter Lage für 7€/Nacht, Hostels und alles vor Ort gefundene kostet sicher höchstens 2-3€. Essen kostet auch noch weniger als in Thailand, und da gabs im Restaurant schon sehr große hochwertige Menüs für 1,50€. Im Supermarkt ist man im Centbereich.
Der Flug nervt finanziell halt :(
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Horni Weiblich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von Horni »

TheRheinRuhrBäcker hat geschrieben:Ich halte ganz und gar nichts von einer nomadisierenden Existenz und wollte mich nie zum fahrenden Volk gesellen, nichtsdestoweniger möchte ich euch nicht meine kräzi libertären Bekannten vorenthalten:

[bbvideo=560,315]https://www.youtube.com/watch?v=iZywHa_rSDU[/bbvideo]
Ich habe schon sehr lange keinen Ausschnitt einer Fernsehsendung mehr gesehen (und wundere mich über deinen Konsum dessen), aber finde es trotzdem erschreckend, wie suggestiv und inhaltlich falsch die Darstellung zu großen Teilen ist.
Wie auch immer, mit Christophs Website und Ideen kam ich bereits in Kontakt. Ich finde interessante Ansätze dabei, insgesamt erinnert er mich (weniger in dem Beitrag und mehr in seinen Texten) aber doch zu sehr an Aluhutträger. Mit einem großen Teil des Gedankenguts kann ich mich kaum identifizieren, auch wenn ich das Konzept der legalen Steuervermeidung nachvollziehen kann und nicht grundsätzlich ablehne.

Wie ist deine Meinung dazu?
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TheRheinRuhrBäcker Männlich
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Re: Das Leben als Nomade

Beitrag von TheRheinRuhrBäcker »

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