Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Poesie, Bachelorarbeiten, Kurzgeschichten, Liebesbriefe, Bühnenstücke
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Heizpilz Keine Angabe
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Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Beitrag von Heizpilz » So 14. Aug 2016, 21:05

Sucht ein Stock-Foto und lasst den nächsten User eine Geschichte zum Foto erzählen! Erlaubt ist alles: Beschreibt die Personen und den Kontext des Fotos, beginnt eine Kurzgeschichte damit oder macht, was eurem kreativen Kopf damit so einfällt.

Beispiel:
Junge Lächelnde Menschen Tragen Jeans Und Hosenträger
Der junge Mann in der Mitte, Rob, ist verheirater Familienvater. Mit seiner Frau hat er einen hässlichen, jungen Sohn, Maximillian (rechts). Maximillian darf seinen Namen nicht mit Max abgekürzen, das verbietet seine Mutter. Er ist der beste Blockflötenspieler seiner Klasse. Rob ist vom (Sex)Leben mit seiner Frau schon lange nicht mehr erfüllt, deswegen hat er sich eine flotte Affäre gesucht, die 23-jährige Svetlana (links). Mit ihr möchte Rob seine Zukunft verbringen. Um es seiner Frau zu beichten, hat er entschlossen, mit Svetlana und Maximillian ein Shooting zu machen - das ist eins der Fotos davon. Maximillian ist nicht glücklich und will seinen Vater gerne festhalten und ins Familienleben zurückziehen - aber es ist zu spät.

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Knopfloch Weiblich
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Re: Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Beitrag von Knopfloch » So 14. Aug 2016, 21:34

Markus überlegt sich, ob er einfach auswandern sollte. Seine sogenannten Freunde haben sich diesmal wirklich selbst üebrtroffen. Martina und Ben haben angekündigt, dass sie heiraten, und Fabio, Christian, Susanne und Mike haben ihm ebenfalls erzählt dass sie auch eingeladen sind. Alle zusammen haben sie die Hochzeit geplant, Spiele ausgedacht, sogar einen Junggesellenabschied veranstaltet, und Markus war sehr stolz, dass Martina ihn gebeten hatte, als Konditor-Geselle die Torte zur Hochzeit zu gestalten, was ihn immerhin einige Wochen Zeit kostete - und jetzt kam er zur angeblichen Trauung und musste erfahren, dass die ganze Hochzeitsgeschichte nur ein Scherz war um ihn zu verarschen??? Echt, diese Bande von Idioten konnte jetzt für Jahre nicht mehr mit ihm rechnen, runde Geburtstage hin oder her, die waren für ihn gestorben!


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Weird businessman in a rubber bird mask pretending to fly in the sunset forest

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Horni Weiblich
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Re: Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Beitrag von Horni » Mo 15. Aug 2016, 09:48

Carl-Niklas hatte das Leben als Bankier schon lange satt. Während er während seines BWL-Studiums noch voller Ideale gewesen war, verrottete er in dem Hamsterrad der Wirtschaft innerlich und kam doch nicht von der Stelle. Seine vierhundertdreiundzwanzigeinhalb Überstunden entlockten seinen Vorgesetzten ebensowenig ein anerkennendes Wort wie die Tatsache, dass er es war, der jeden Morgen zehn Minuten früher kam und die Kaffeemaschine auffüllte.
'Wie ein Adler sein', dachte er sich, als er in die Augen des jungen Paares sah, denen er einen Kredit für ihre Zweizimmerwohnung verkaufte, von dem er wusste, dass er die schlechtesten Konditionen hatte, die seine Bank bot. Einfach wegfliegen, nach Feuerland, oder Honululu, 'gibt es eigentlich Adler auf Hawaii und werde ich das jemals wissen?', nach Ipanema, Kuala Lumpur oder zumindest in den lichten Nutzwald nördlich seiner Stadt, durch den er früher oft seine Oma im Rollstuhl geschoben hatte, als er sich noch nicht das teure Altersheim bei Frankfurt Oder hatte leisten können und sich deswegen selbst um sie gekümmert hatte.
Einfach ausbrechen, und wie ein Adler sein.

Als Carl-Niklas zwei Jahre später seinen Job verlor, hatten sie kein Adlerkostüm in dem Verleih seiner Stadt, aber immerhin eine Gummi-Taubenhaube. Es war bezeichnend, aber besser als nichts, und so machte er sich auf in den Nutzwald. Schwitzend und fast blind flog er durch den Wald. Für fünf Minuten eine Taube sein.


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Young happy smiling woman with glass of redwine at restaurant or club

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oneofmylies Weiblich
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Re: Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Beitrag von oneofmylies » Di 16. Aug 2016, 17:56

Andrea, die vor sechs Jahren noch Andreas war, hat sich endgültig dafür entschieden, für immer als Frau zu leben. Zur Feier ihrer nun bestätigten Geschlechtsangleichung hebt sie das Glas in Richtung Barkeeper und prostet ihm zu. Sie kann es kaum glauben, dass sie endlich so aussieht und leben kann, wie sie es sich schon immer gewünscht hat. Zu diesem Zeitpunk weiß sie allerdings noch nicht, dass sie zu Hause vergessen hat, ihre Zigarette im Aschenbecher auszudrücken. Der Vorhang hat Feuer gefangen und auch das Sofa wird bereits ins Mitleidenschaft gezogen. "Noch ein Glas?", fragt der Barkeeper. Andrea nickt und nimmt sich vor, nicht vor dem Morgengrauen nach Hause zu gehen.

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Heizpilz Keine Angabe
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Re: Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Beitrag von Heizpilz » Di 20. Sep 2016, 13:28

Er brauchte das Geld einfach. Natürlich, sein Studium der Kunstwissenschaften würde ihn zu Besserem qualifizieren, aber er hat seine 1000 Kaulquappen durchzufüttern, da hat man keine Zeit für Idealismus und Selbstverwirklichung. Daher musste Herr Frosch auch heute wieder motiviert zur Arbeit kommen und sein Bestes geben, um möglichst viele xyz-Phones an die Frau bzw. den Mann zu bringen. Er wollte nie auf Provision arbeiten, dieses gekünstelte Lächeln, die offensive Art, das Aufquatschen und das aufdringliche Präsentieren ist einfach nicht sein Ding - aber was tut man nicht alles, wenn das Geld knapp ist?

"Funny man with watermelon helmet and googles looks like a parasitic caterpillar"
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Knopfloch Weiblich
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Re: Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Beitrag von Knopfloch » Mo 5. Jun 2017, 20:02

Olaf hatte das Casting für das neue Frosch®-WC-Reiniger-Werbeshooting gewonnen und freute sich riesig, sich endlich von seiner besten Seite präsentieren zu können. Er, der tüchtige Hausmann, der sich sogar vorm Kloputzen nicht scheute, ein perfekter Ehemann, würden sicher auch bald die Singlefrauen seiner Umgebung realisieren, wenn sie ihn demnächst in der "Welt der Frau" auf ganzseitigen Werbeanzeigen sahen. Wahrscheinlich würde er auch körperlich besser wegkommen als in der Realität, diese Medienfuzzis beherrschten ja Photoshop aus dem Effeff und würden ihm noch einen gestählten Bizeps und ein Sixpack zaubern, sodass er es leicht mit Meister Propper und dem weißen Riesen würde aufnehmen können.

Die Tür zum Flur, in dem er auf einem gepolsterten Stuhl gewaretet und sinniert hatte, öffnete sich, und eine junge hübsche Dame mit blonden glatten Haaren lächelte ihm zu. "Herr Wettenkamp, wir wären dann jetzt soweit!"
Olaf Wettenkamp erhob sich freudig vom Platz und trat ins Fotostudio. Er blickte sich um und war zunächst etwas erstaunt. Kein aufgebautes Set mit Fließen und WC, an dem er posieren würde, nur eine große Leinwand füllte den Raum. Würde also alles in der Postproduktion hinzugefügt und er nur die richtige Pose einnehmen?
"Wir haben uns etwas ausgedacht, was genau zu Ihrem Typ passt," begrüßte ihn nun der Fotograf, ein Mittdreißiger mit sonnengebräunter Haut, Dreitagebart und zum Pferdeschwanz gebundenen braunen Haaren, "ziehen sie das mal auf den Kopf."
Mit diesen Worten überreichte er Olaf einen Helm, oder zumindest dachte Olaf zunächst, es sei ein Helm. Es handelte sich jedoch um eine ausgehöhlte und zurechtgeschnitzte kugelrunde Wassermelone, die etwas größer als sein Kopf war.
"Es geht doch hier um WC-Reiniger, oder...?" Olaf hielt die Wassermelone unschlüssig in der Hand und sah hilfesuchend die junge Frau an, die ihm jedoch nur ermutigend zulächelte, aber augenscheinlich nicht zu Hilfe eilen wollte.
"Es geht um Aufmerksamkeit!" widersprach der Fotograf, "Wir müssen uns abheben von der Konkurrenz, die immer noch versucht, mit einem ach so revolutionären Bild vom Haushalt schmeißenden Mann einen Blumentopf zu gewinnen."
Die Frau pflichtete ihm erklärend bei: "Unsere Marktforschungsanalyse hat ergeben, dass Frauen sich daran sattgesehen haben und unerwartete, lustige Bilder viel mehr Aufmerksamkeit hervorrufen."
"Und nun lassen Sie uns nicht länger warten, wir haben für das Shooting nur eine halbe Stunde Zeit." drängte der Fotograf.
Zögernd setzte Olaf sich die Wassermelone auf den Kopf. "So?"
"Und jetzt noch diese Brille."
Was die Frau "Brille" nannte, war ein unförmiges Stück graues Plastik mit zwei großen klobigen kreisrunden Öffnungen für die Augen, das an eine comichafte Pilotenbrille anmutete.
"Hervorragend! Bitte lächeln!"
Klick, klick, wurden zwei Fotos geschossen. "Jetzt wäre es gut, wenn sie noch etwas dümmlicher grinsen würd- ja, so ist es schon perfekt."
Resigniert ließ Olaf sich nun zu den herabwürdigendsten Posen anweisen, wehrte sich nicht, als die Frau ihn in eine quietschgrüne Stoffbahn einwickelte und entsprach auch der Bitte, den Kopf so weit auf den Bauch zu nicken, dass ein "zweites Kinn" aus einer Speckrolle seinen Anblick noch lächerlicher machte als ohnehin.

Nach 25 Minuten hatte die Tortur ein Ende. Olaf bereute es, im letzten Kreuzworträtsel auf das Lösungswort "Frosch" gekommen zu sein und sich dafür noch selbst beglückwünscht zu haben. Schamerfüllt trottete er nach Hause und beschloss, sich die nächsten Monate nur noch für die nötigsten Einkäufe aus dem Haus zu wagen. Auch die täglichen Spaziergänge durch den Park, wo er bisher versucht hatte, ansprechbaren Frauen zu begegnen, konnte er sich beim besten Willen nicht mehr vorstellen. Er spürte schon die zeigenden Finger aller Frauenzeitschriftenleserinnen auf sich und hörte in seinem Kopf bereits das hämische Lachen aller in Zweiergrüppchen flanierenden Frauen, sobald sie ihn wiedererkannten.

So stand er dann auch zwei Wochen später in der dunkelsten Ecke der Bäckerei, bis er an der Reihe war, damit ihn möglichst keine Kundin erkannte. Endlich hatte die Frau vor ihm ihre drei Mohnbrötchen eingepackt und ein Mehrkornbrot für übermorgen bestellt, Olaf war als nächster an der Reihe.
"Ein Bauernbrot bitte."
Die Verkäuferin vollführte gekonnt einen raschen Dreh zum Regal und zupfte dabei einen Laib aus dem Regal, den sie ihm sodann überreichte.
"Bitteschön. Darf's sonst noch was - oh! Sind Sie nicht der Mann aus der Werbung?"
"Ich? N-Nein, da müssen Sie mich verwechseln."
"Dochdoch, die Augen hab ich mir gemerkt, ich seh's genau vor mir! Ich habe ja so gelacht, ich liebe Männer mit Humor!"
Olaf wurde rot. "Wirklich?"
"Oh ja, das haben Sie toll gemacht! Könnten Sie vielleicht nochmal so schauen wie in der Anzeige?"
Olaf tat wie geheißen, und ihr glockenhelles Lachen erzeugte eine wohlige Wärme um sein Herz.
Von diesem Tag an konnte Olaf wieder erhobenen Hauptes durch die Stadt gehen und dankte im Stillen dem Fotografen und der Marketingfrau. Doch in den Park tireb es ihn nicht mehr, nur noch in die Bäckerei, wo er seine Helena jeden Tag von der Arbeit in ihre gemeinsame Wohnung abholte.



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Portrait of big family sitting at festive table and looking at camera with smiles

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Knopfloch Weiblich
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Re: Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Beitrag von Knopfloch » Sa 18. Jan 2020, 23:32

Oder noch besser zu diesem Bild:

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Re: Spiel: Geschichten zu Stock-Fotos

Beitrag von Knopfloch » So 12. Apr 2020, 10:49

Das Bild passt grad gut!

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